Reisebericht Juli die 2.

So, hier kommt der zweite Teil!

Nach diesen sehr eindrucksvollen 4 Tagen ging die Reise also weiter nach Mwanza. Wir wurden von der Chairperson des Dorfes und einem Bruder von Shedrack zur „großen“ Straße gefahren, an der der Bus nach Mwanza vorbeikam. Der erste Bus fuhr an uns noch vorbei, den nächsten konnten wir dann aber zum Glück anhalten, hatten relativ bequeme Sitze und konnten gemütlich weiterfahren. Nur eine Sache ist manchmal nicht ganz so angenehm, hier gibt es sogenannte „Speed Bumps“ die in die Straße eingebaut sind, damit man nicht zu schnell durch die Dörfer rast. Leider ließ sich unser Busfahrer davon nicht einschüchtern und nahm einige mit überhöhter Geschwindigkeit, was zur Folge hatte, dass wir jedes Mal aus unseren Sitzen geschleudert wurden und fast das Dach mit unseren Köpfen berührten. In Mwanza angekommen, haben wir erst einmal noch einen anderen Bruder von Shedrack getroffen, der dort Unterricht an einer Schule gibt, solange er auf das neue Studiensemester wartet. Jetzt habe ich auch noch etwas anderes erfahren: Die meisten Schüler genießen nicht wie wir die Ferien mit möglichst viel Freizeit, Freunde treffen oder Reisen, sondern verbringen die Zeit mit lernen. Ja tatsächlich, viel gehen sogar in eine Ferienschule um den Stoff zu vertiefen, oder schon vorzuarbeiten. Shedrack hatte dazu seinen Bruder der ihm in einigen Fächern Nachhilfe gab.

Nach diesem Treffen ging es weiter zu Trine, eine Norwegerin die in Mwanza bei der Blood Bank arbeitete und nebenbei noch andere soziale Projekte auf die Beine stellte. Dank ihr habe ich auch den wohl schönsten Platz in Mwanza gefunden, er heißt Jiwe Kuu und ist ein rießiger Fels, direkt überhalb des Victoria Sees und ermöglicht einem einen wunderbaren Sonnenuntergang. Auf diesem ausgewaschen Felsen, befinden sich noch weiter kleine Felsen, die Kugelrund sind, wohl durch die Verwitterung so geformt, ein wirklich beeindruckendes Bild (Ich hoffe ich kann euch noch Bilder davon zeigen). Natürlich konnte ich bei diesen Felsen nicht widerstehen und bin ein wenig rumgeklettert. Nach ein paar Tagen in Mwanza ging die Reise weiter nach Bukoba. Dazu benutzte ich nicht den Bus, sondern das Schiff Victoria. Dieses fährt zwei Mal die Woche nach Bukoba, es verlässt Mwanza am Abend um 21 Uhr und kommt am nächsten Tag um ca. 5 Uhr morgens an. Wenn man ein Ticket für die erste oder zweite Klasse ergattert, hat man die Möglichkeit in einer Kajüte zu schlafen, die dritte Klasse hat nur Sitzplätze. Ich gönnte mir die zweite Klasse, blieb aber einige Zeit wach, um die Überfahrt mit diesem Schiff zu erleben. Für ihr Alter war die Fahrt sehr gemütlich und komfortabel, man kann viele Sterne sehen und laut einer Freundin auch viele Lichter auf dem See (die Fischer die mit Hilfe von Lampen die Fische anlocken) sehen. Leider habe ich davon nur sehr wenige gesehen, ich vermute mal, das lag am Vollmond, der so hell schien, dass der Effekt der Lampen zunichte gemacht wurde. Trotzdem war es sehr spannend einmal mit einem Schiff auf dem Victoria See zu fahren.

In Bukoba angekommen, wurde ich von einer belgischen Freundin Leen (siehe Ling an der Sidebar) abgeholt, diese hab ich auch Mafia Island, auf meiner vorigen Reise kenngelernt. Zur selben Zeit hatte sie noch vier andere Gäste bei sich, mit denen wir zusammen Bukoba und die Umgebung erkunden sollten. Mit dem Motorrad ging es zum Minziro Wald, dies ist ein Wald, nahe der Grenze zu Uganda und allein die Fahrt dorthin war ein Gewinn. Mir gefällt die Landschaft so sehr, viele Felsen, weite Landschaften und vor allem viele Vögel. Wegen den Vögeln sind wir auch zu dem Wald gefahren, da es dort eine rießige Vielfalt an Vögeln gibt und diese wollten wir beobachten. Bevor wir aber die Vögel sehen konnten, wurden wir von Scharen von Schmetterlingen begrüßt, angeblich ist Minziro einer der Schmetterlingsartenreichsten Wälder von Tasnsania. Da wir leider einen kleinen Unfall noch mit dem Motorrad hatten (keine Angst, ich war dabei nicht involviert) und uns nicht so sicher waren, wo wir genau in das Dickicht eintauchen sollten, blieb uns nicht viel Zeit für lange Vogelbeobachtungen. Ein, Zwei haben wir dann aber doch gesehen, dann gings aber wieder zurück nach Bukoba. Am nächsten Tag gab Leen eine Abschiedsfeier für Freunde und Kollegen, da sie auch wieder nach Belgien zurück fliegt. Also gab es ein großes BBQ mit Ziege und Pilau. Dort traf ich auch zwei andere Deutsche, die in der Nähe in dem Krankenhaus von Ndolage ein Praktikum absolvierten. Auch einen Engländer (Matthew), der schon seit 10 Jahren in Tansania arbeitet und lebt, traf ich. Dieser nahm mich mit nach Ndolage, wo ich die nächsten Tage verbringen sollte. Mein absoluter Lieblingsort in Tansania. Er liegt direkt an einer Klippe, die geschätzte 100 Meter hoch ist, somit hat man eine Wahnsinnsaussicht auf die Umgebung, gleich nebenan gibt es zwei Wasserfälle und an den Wasserläufen kleine Urwälder. Die Felsen sind zudem hervorragend zum Klettern geeignet. Auf meinen vielen Erkundungstouren konnte ich wieder so viele Vögel (Adler, Eule, bunte Vögel die ich nicht benennen kann) und ein paar Affen beobachten, zwei wirklich wunderschöne Wasserfälle besuchen (einer davon hat ein kleines Becken in dem man schwimmen kann und sich das Wasser auf den Kopf prasseln lassen kann) und mir einen rießen Muskelkater vom vielen Klettern zuziehen. Eine wunderbare Zeit, die ich so sehr genossen habe!

Es ging weiter nach Birharamullo, wieder mit Matthew, der eine NGO organisiert, die sich Friends of the Children of Tanzania (FOCT) nennt. Um Kindern mit Behinderungen zu helfen, hat er mit Hilfe der katholischen Kirche, den Muslimen und einigen anderen, eine Mobile Clinic organisiert. D.h. er hatte einen Arzt mit im Gepäck und Father David, ein querschnittsgelähmter Priester aus Birharamullo, hat viele hilfsbedürftige Kinder und Erwachsene versammelt, die untersucht wurden, wenn nötig mit Medizin versorgt wurden und was am wichtigsten war, einen Termin bei einem Arzt für eine OP bekamen. Bei der ganzen Aktion habe ich dem Arzt assistiert, vor allem mit Medizin ausgeben. Das Beste an der ganzen Geschichte ist, dass Matthew Martin von CBR kennt und da sein Physiotherapeut absagen musste, hat er Martin gefragt, ob er ihn unterstützen könnte. Dieser hat dann Fidelis geschickt. Wäre super, wenn dadurch die Arbeit von CBR noch eine weitere Unterstützung bekommen würde. Wer weitere Infos über FOCT haben möchte, kann sich diesen Link http://www.foct.org.uk/ anschauen.

Nach diesen vielen Ereignissen hieß es dann aber tatsächlich zurück nach Rulenge. Es war wieder wunderschön, einen weiteren, neuen Einblick in Tansania zu bekommen. Ich weiß nicht, ob ich es jetzt noch einmal schaffe, einen weitern Artikel über die Geschehnisse in Rulenge zu schreiben, oder ob dieser erst verfasst wird wenn ich wieder in Deutschland bin; bis dahin sind es ja auch nur noch zwei Wochen. Am 29.7. komme ich in München an und freue mich meine Familie nach einem Jahr wieder zu sehen!

Bis bald!

Euer Rupert

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Published in: on Juli 16, 2011 at 7:25 am  Comments (1)  

Reisebericht Juni 2011

Hallo Liebe Blogleser!

Wie im letzten Artikel schon angekündigt kommt nun endlich der Bericht über meine zweite Reise. Ich hoffe ihr habt genügend Ausdauer dafür, da es wirklich viel und meiner Ansicht nach auch Interessantes zu erzählen gibt. Kurz nachdem die Schule geschlossen hatte und wir unsere offizielle Verabschiedung und den Besuch bei den Kühen von Mr. Muhindi, der Secondmaster, hinter uns hatten, fuhren Teresa und ich mit dem Bus nach Runazi, um die Familien zweier Schüler, Revocatus und Shedrack, zu besuchen.

Das war wohl eines der Highlights von dem ganzen Jahr. Als wir ankamen wurden wir gleich von Revocatus und seinem Bruder abgeholt. Dieser ist Schreiner und lebt mit seiner Frau und dem ersten Kind in einem kleinen Häuschen in der „Stadt“. Für deutsche Verhältnisse unvorstellbar; das Haus besteht aus 4 Räumen, die sich 3 Familien teilen, d.h. jede Familie hat eine Zimmer, in dem geschlafen wird und ein Raum wird geteilt, in dem dann gegessen wird. Es ist wirklich sehr wenig Platz!

Nach einer Tasse Chai und Gebäck (Vitumbua), gab es eine kleine Stadtführung, bei der wir Wazungu natürlich wieder eine große Attraktion waren. Danach ging es ca. 2 bis 3 Kilometer weiter in das Nachbardorf, in dem Revocatus und seine Eltern wohnen. Dort wurden wir so herrzlich von der Mama und dem Rest der Familie begrüßt, dass wir uns sofort wohl fühlten. Ich glaube, sie haben bis zu letzt nicht daran geglaubt, dass wir sie wirklich besuchen kommen, so außergewöhnlich war dieses Ereignis. Jetzt hab ich auch wirklich gemerkt wie groß hier der Familienbund ist, den ganzen Tag über kamen immer wieder neue Leute, die uns vorgestellt wurden, als Geschwister, Cousins, oder sonst irgendwie Verwandt mit der Familie. Wir durften wieder viele Fragen über Deutschland und die Unterschiede zwischen den beiden Ländern beantworten, auch wenn manche (vor allem die Mädels) etwas schüchtern waren. Da die Familie wirklich ziemlich arm ist (Revocatus kann nur auf die Schule gehen, weil er von Deutschen finanziell unterstützt wird), gab es dann auch traditionelles tansanisches Essen, Reis, Soße, Bohnen…

Nach einer weiteren kleinen „Stadtführung“ und weiteren Gesprächen durften wir uns frisch machen für das Abendessen. Wer sich jetzt eine europäische Standartdusche vorstellt liegt falsch. Das „Bad“ ist ein runder Bretterverschlag, oder besser Ästeverschlag, der mit Steinen „gepflastert“ ist. Die Tür ist ein einfaches Tuch, dass beim betreten davor gehängt wird. Die Dusche ist eine Wanne voller Wasser, welches man sich mit einem Krug über den Körper schüttet. Erstaunlich dabei ist, wie wenig Wasser man eigentlich braucht, um sauber zu werden und wie wunderschön es ist unter dem Sternenhimmel Afrikas sich zu duschen. Dir Toilette könnt ihr euch jetzt bestimmt auch vorstellen, wie diese aussieht: ein ähnlicher Ästeverschlag mit einem tiefen Loch…

Ein weiteres Essen, bei dem man sich überfressen muss, da es unhöflich wäre, nur eine normale Portion zu essen und dann versammelte sich die ganze Familie und Freunde in dem kleinen Häuschen, um einer Geschichte der Mama zu lauschen. Wie ich zuerst dachte, nur ein Ereignis extra für uns, aber als ich nachfragte, ob sie das öfters machen, wurde mir erzählt, dass sie so etwas fast jeden Abend machen, entweder eine Art Märchen, oder eine wahre Geschichte aus den alten Zeiten, die immer eine Lehre für die Kinder sein soll, erzählen. Also saßen wir bei Kerosinlampenschein eng beieinander und die Geschichte begann, mit einem kleinen Ritual, bei dem die Zuhörer darum bitten, eine Geschichte zu hören (leider kann ich mich nicht mehr an die genauen Worte erinnern, aber ich wird noch mal nachfragen, ich fand das so schön). Die Geschichte war zu ende und ich totmüde, also wurde eine Matratze in dem einen Raum für mich und Revocatus hergerichtet und eine in dem anderen Raum, für Teresa und den Rest der Familie. Die Nacht wäre richtig angenehm gewesen, nur leider hatte Revocatus einen Traum, bei dem er sehr aktiv war und mir seinen Ellbogen in das Gesicht rammte. Zum Glück bin ich nur ziemlich erschrocken, habe aber keine bleibenden Schäden 😉

Am nächsten Morgen gab es Frühstück und dann besuchten wir einen Freund und Unterstützer von Revocatus, den er aus Freundschaft und Respekt auch Vater nennt. Dieser ist Kaufmann und seine Tochter war mit Revocatus in einer Klasse. Prompt wurden wir zu einem Essen eingeladen, wozu ein Huhn geschlachtet wurde. Fingeressen am Boden war angesagt und da wir noch immer keine Spezialisten darin sind, gab es eine kleine Sauerei auf unserer Seite. Danach ging es zurück zu den Eltern und da das vorige Essen nicht eingeplant war, gab es noch eine Kleinigkeit dort und dann mussten wir aber auch weiter mit dem Taxi zu unserem nächsten Besuch bei Shedrack. Ganz wichtig war aber noch, dass jeder ein Foto mit uns Wazungu bekam.

Die Taxifahrt war dann auch wieder mal so ein typisches tansanisches Erlebnis, nach dem Motto: „wo ein Wagen, da ein Weg“. Zunächst ging es eine normale Schotterstraße entlang, dann trafen wir Shedrack in einem Dorf und wir dachten, wir wären angekommen, aber dann stieg er auch ins Taxi in und dirigierte es einen kleinen Trampelfad, für ca. 20 Minuten lang mitten in die Pampa hinein. Ein deutscher Taxifahrer hätte uns schon längst für verrückt erklärt und uns aus dem Taxi geworfen.

Überwältigend, das war mein erster Eindruck von dem „Dorf“. Shedracks Familie lebt sehr abgeschieden, d.h. der nächste Nachbar wohnt ca. 500 Meter entfernt, ist ein sogenannter „Witchdoctor“ und in der Nacht sieht man weit und breit kein Licht außer dem Mond und dem Sternenhimmel. Den Besuch bei seiner Familie könnte man kurz so beschreiben, sehr traditionell, konservativ und nicht ganz so herzlich wie Revocatus, für mich aber trotzdem beeindruckender. Wie schon beschrieben, wohnen sie sehr abgelegen, haben ein paar Häuser für Angestellte, Gäste und für sich selbst. Die „Dusche“ ist ähnlich, hatte aber noch den Bonus eines besondern Steines, mit dem man sich sauber rubbeln konnte und die Toilette war nicht im Freien, sondern in einem kleinen Hüttchen. Es gibt auch eine Feuerstelle, die von den Männern abends dazu benutzt wird, sich zu treffen und von den Älteren Weisheiten und Vorgaben für den nächsten Tag zu erhalten. Für die Frauen gibt es dazu das Küchengebäude. Wie ihr seht, wird hier Geschlechtertrennung noch groß geschrieben, das geht sogar so weit, dass beim Essen, Männer und Frauen nicht zusammen sitzen und sich Teresa ein wenig komisch vorkam allein unter Männern. Für uns wurde extra eine Ziege geschlachtet, was eine rießen Ehre für uns ist. Wir haben auch erfahren, dass wir wohl die ersten Weißen waren, die je dieses Dorf besuchen kamen, deswegen kamen natürlich wieder alle Möglichen Bekannten und Verwandten, Dorfälteste usw., um uns zu Grüßen und einige Fragen zu stellen. Es wurde wieder viel gegessen (viel zu viel) und wir machten einen Spaziergang in der Umgebung, bei der uns die Kühe der Familie gezeigt wurden – die wir auch melken durften (nicht so einfach wie bei hochgezüchteten Milchkühen) – und die Felder auf denen Baumwolle, Kassawa, Mais etc. angebaut wird. Auf dem Weg kamen wir an vielen verschiedenen Sträuchern und Bäumen vorbei, die alle Beeren oder Früchte trugen, die wir probieren konnten (selbst Baumwolle kann man essen, bzw. den Saft davon auszuzeln). Vieles mehr ist noch passiert, aber das solls davon erst einmal gewesen sein. Es waren wirklich 3 unvergessliche Tage, bei denen ich so viel mehr von dem wirklichen Tansania gesehen habe. Nochmals vielen Dank an beide Familien. Es war uns eine Ehre, Gast bei euch gewesen zu sein.

Die Reise ging danach noch weiter, über Mwanza nach Bukoba , Ndolage und wieder zurück nach Rulenge. Aber davon mehr beim nächsten Mal!

Bilder kann ich hoffentlich auch bald hochladen, ansonsten wie immer bei Teresa auf dem Blog vorbei schaun!

Euer Rupert

P.S.: Für die Solaranlage von unserem Haus werden immer noch Sponsoren gesucht 😉

 

Published in: on Juli 9, 2011 at 9:12 am  Comments (1)